Ein Gesundheitssystem auf dem Prüfstand
Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den leistungsfähigsten der Welt, wenn es darum geht, Krankheiten zu behandeln. Bei der Prävention, also der Verhinderung von Erkrankungen, besteht hingegen noch erhebliches Potenzial. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bis zu 80 Prozent der Fälle von Herzkrankheiten, Schlaganfällen und Typ-2-Diabetes durch Veränderungen des Lebensstils verhindert werden könnten.
Was Prävention bedeutet
Prävention lässt sich in drei Ebenen unterteilen. Die Primärprävention zielt darauf ab, das Entstehen von Krankheiten zu verhindern, beispielsweise durch gesunde Ernährung, Bewegung und den Verzicht auf Rauchen. Die Sekundärprävention befasst sich mit der Früherkennung von Erkrankungen, bevor Symptome auftreten. Die Tertiärprävention hat das Ziel, bei bereits bestehenden Erkrankungen Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten.
Chronische Erkrankungen als vermeidbare Last
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebsarten und chronische Atemwegserkrankungen machen den größten Teil der Krankheitslast in Industrieländern aus. Was diese Erkrankungen gemeinsam haben: Sie entwickeln sich über viele Jahre und werden maßgeblich von Lebensstilfaktoren beeinflusst.
Wer heute in präventive Maßnahmen investiert, kann in vielen Fällen jahrzehntelangen Leidensdruck und aufwendige medizinische Behandlungen im späteren Leben vermeiden.
Wichtige Vorsorgeuntersuchungen im Überblick
Das deutsche Gesundheitssystem bietet eine Reihe von Früherkennungsuntersuchungen an, die von gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden:
- Gesundheits-Check-up ab 35 Jahren alle drei Jahre
- Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren
- Brustkrebsvorsorge für Frauen ab 50 Jahren
- Gebärmutterhalskrebsvorsorge ab 20 Jahren
- Hautkrebsscreening ab 35 Jahren alle zwei Jahre
Viele dieser Untersuchungen werden zu selten wahrgenommen. Dabei können sie Erkrankungen in einem Stadium entdecken, in dem eine Behandlung deutlich einfacher und erfolgreicher ist.
Prävention im Alltag verankern
Prävention ist keine einmalige Entscheidung, sondern eine Summe alltäglicher Verhaltensweisen. Regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Tabak, moderater Alkoholkonsum und ein bewusster Umgang mit Stress senken das Risiko für viele chronische Erkrankungen nachweislich und erheblich.
Hinzu kommt das Wissen über die eigenen Risikofaktoren. Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen ist eine einfache Möglichkeit, frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können. Prävention beginnt mit dem Bewusstsein, dass Gesundheit kein Zustand ist, der einfach vorhanden ist, sondern aktiv gepflegt werden muss.
